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| Der Bio-Bluff: Der schöne Traum vom natürlichen Essen
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Vertrauen ist gut, Kontrolle viel besser!
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Der Bio-Bluff: Der schöne Traum vom natürlichen Essen (Gebundene Ausgabe) Mit einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen zum Thema der Ernährung und der Ernährungsindustrie hat der ehemalige Spiegelredakteur Hans-Ulrich Grimm immer wieder differenziert seinen Finger auf die Wunde der Ernährung gelegt.
Millionen von Menschen vertrauen darauf, dass drin steckt, was draufsteht. Grimm gelingt es immer wieder, diesen Glauben in guter Weise zu erschüttern. Mündige Verbraucher sind es letztendlich, die notwendig sind, um dafür zu sorgen, dass eine Kontrolle der Nahrungsmittelindustrie zumindest im Kleinen hier und da funktioniert.
Generell ist Grimm dabei durchaus ein Verfechter biologisch erzeugter Nahrungsmittel, aber bereits in seinem Buch "Tödliche Hamburger" verweist er darauf, dass dies nur dann mit vollem Vertrauen genossen werden kann, wenn der Kunde das Bio im kleinteiligen und, vor allem, geographisch nahem Bereich versteht.
Diesen Hinweis führt der in diesem Buch differenziert, wie immer gründlich recherchiert und fundiert, intensiv aus.
Schon der Einstieg, der die Produktion von Bio-Eiern zum Schwerpunkt nimmt, verweist auf ganz offenkundige Schwächen in der Argumentationskette großer Erzeuger und Nahrungsmittelketten. Wie kann es sein, dass Millionen von Aldi Eiern so gekennzeichnet sind, als stammten sie alle von einem konkreten Hof in Holland, auf dem bei Nachfrage nur 5000 Hühner aktuell überhaupt vorhanden sind? Ganz offenkundig wurde nachgewiesen, dass Engelbert Homann in seinem Vertrieb von vermeintlichen Bio-Eiern mehr als Fünfe hat gerade sein lassen.
Und im Blick auf das Frühstücksei fängt die Schieberei und werbegerechte Imagebildung der vermeintlich gesunden und artgerechten Bio Lebensmittelerzeugung erst an. An anderer Stelle beschreibt Grimm genau die Mechanismen auch der Werbung, mit deren Hilfe alle Hersteller dem Kunden vorgaukeln, was dieser sich wünscht: Saftige Weiden, glückliche Rinder und grüne Natur. Zugleich führt Grimm überzeugend aus, dass schon oberflächliche Stichproben und einfache Nachforschungen vor Ort ein um das andere Mal die heile Bio-Welt schnell entzaubern.
Mit Staunen, Entsetzen und oft genug mit Ekel verfolgt man die Ergebnisse seiner Recherchen und freut sich letztendlich, dass Grimm nie jemand war, der nur beim billigen Schlagwort stehenblieb.
So weist er auch in diesem Buch nach, dass eine artgerechte, gesunde, nahrhafte und konstruktive Erzeugung von Lebensmitteln durchaus zum einen möglich ist und, vor allem, zum anderen auch geschieht. In dieser natürlichen und nachhaltigen Produktionsweise liegt für Grimm die Möglichkeit der Zukunft. Dazu muss das Rad nicht neu erfunden werden, auch das ist Thema seines Buches, dass all diese wirklichen Bio-Erzeugungen über Jahrhunderte bereits bekannt sind und über Generationen hinweg auch genauso stattgefunden hat, bis die Lebensmittelwirtschaft mit ihren industriellen und Renditeorienteierten Arbeitsweisen auf den Markt traten und jeden noch so Gewinn versprechenden Bereiche umgehend unter ihre Fittiche versuchen zu nehmen.
Wo und wie man nun für sich selber gute und nahrhafte Lebensmittel findet? Letztlich nur mit offenen Augen, kritischer Prüfung dann beim Erzeuger seines Vertrauens aus der Nachbarschaft. Die Mühe, solche Anbieter zu finden allerdings lohnt sich rundherum, Für die eigene Gesundheit, artegerechte Tierhaltung, nachhaltige Landwirtschaft und überlebensfähige Erzeuger.
Wie immer ein sauber recherchiertes, bestens verständliches und im Thema wichtiges Buch, dass eine ebensolche Nachhaltigkeit erzeugt, wie es eine solche für unseren Umgang mit Lebensmitteln einfordert.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 26. Oktober 2010 | | |
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